Ein weiteres häufig angeführtes Argument ist, dass die Fische in der Natur ganze Gewässer zur Verfügung haben. Allerdings ist bei diesem Vergleich jede handelsübliche Aquariengröße zu klein für die Fischhaltung und der Unterschied von einem 12 Liter Aquarium zu einem 54 Liter Aquarium vergleichsweise winzig.
Zudem bedeutet dass ein Fisch in einem Gewässer lebt, noch lange nicht, dass er sich hier überall aufhält und den vorhandenen Raum vollständig nutzt. Kaum ein Fisch bewohnt alle Bereiche eines Gewässers. Gerade kleinbleibende Arten stehen unter hohem Fraßdruck und leben versteckt, beispielsweise in dichter Unterwasservegetation, in „Microhabitaten“, meist sehr ufernah.
Einige Eierlegende Zahnkarpfen oder Labyrinthfische leben in der Natur in kleinen Wasseransammlungen oder durchnässtem Laub.
Im Gegensatz zum Aquarium ist die Futtersuche hier kein Problem, jedoch kann sie in großen Behältern für einige kleinbleibende Fischarten zum Problem werden,
da diese der Suche nach Futter keine größeren Strecken zurücklegen und eigentlich einfach nur nach dem schnappen, was gerade an Nahrung vor ihr Maul schwimmt.
Man muss, wenn man solche Fische in größeren Aquarien unterbringt, daher viel mehr füttern, um eine ausreichende Ernährung der Fische zu gewährleisten, als eigentlich notwendig ist.
Auch die zur Ernährung von Fischzwergen oft notwendigen lebenden Futtertiere (Wasserflöhe, Artemianauplien oder Hüpferlinge) leben im Aquarium nicht ewig, und belasten nach ihrem Tod durch Zersetzung das Wasser unnötig.
Theoretisch könnte man auch mehr Tiere einsetzen, um auf die selbe Individuendichte zu kommen.
Die Verfügbarkeit der betreffenden Arten ist aber oft sehr begrenz, so dass die notwendige Individuendichte in größeren Behältern praktisch nicht erreichbar ist.
Zieht man diverse Besatzregeln, so unvollkommen sie auch sein mögen, zu Hilfe und wendet man sie vergleichend an, so fällt auf, dass vielen größeren Fischen im Verhältnis weniger Platz in den allgemeinen Mindestanforderungen geboten wird als den Fischzwergen in Kleinaquarien zur Verfügung stehen. Die 10 x 5 x 5 fache Körperlänge für Länge x Tiefe x Höhe des Behälters ist ebenso leicht einzuhalten wie die 1 cm/1l Regel beziehungsweise deren unterschiedlichen Abwandlungen. Berücksichtigt man die Masse von Fischzwergen, so ist beispielsweise ein Paar Parosphronemus deissneri in einem 12 Liter Aquarium mit standardmäßigen 30 x 20 x 20 cm besser untergebracht als ein Schwarm von 4 cm großen Paracheirodon axelrodi in einem 54 Liter AQ mit 60 x 30 x 30 cm. Letzteres wird akzeptiert, ersteres ruft nicht selten Stürme der Entrüstung hervor. Natürlich muss man Schwimmverhalten, Sozialstruktur und so weiter ebenfalls für die Wahl der Beckengröße bei Fischzwergen einbeziehen, wie bei allen anderen Fischen auch. Es gibt also wie so oft in der Aquaristik keine einfache Regel ,sondern eine Unzahl von verschiedenen Faktoren, die man berücksichtigen muss.
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