Wasserhärte im Aquarium

verstehen, messen, verändern

Die Wasserhärte ist ein weiter Parameter zur Bestimmung der Wasserqualität im Aquarium. Dabei wird traditionell in Gesamthärte und Karbonathärte unterschieden. Ursprünglich stammen beide Begriffe aus dem Haushalt und der Waschmittelindustrie.

Im Wasser als Ionen gelösten Erdakalimetalle Calcium und Magnesium („Kalk“) haben die Eigenschaft, mit Seifen schwerlösliche Kalkseife zu bilden, die sich in Form von Flocken absetzt. Kalkseifen sind deshalb organische Erdalkalimetallsalze mit den Fettsäuren aus der Seife. Ein Teil des verwendeten Waschmittels steht deshalb nicht mehr für den eigentlichen Reinigungsvorgang zur Verfügung. Es muss also entsprechend mehr Waschmittel oder Seife dosiert werden, um eine Reinigungswirkung erzielen zu können. Erst wenn der im Wasser gelöste „Kalk“ als Kalkseife gebunden ist, bildet sich reinigungsaktiver Schaum. Dieses Phänomen wurde für eines der ersten Analyseverfahren in der Aquaristik genutzt und als Härtebestimmung nach Boutron & Boudet bekannt.

In der historischen Definition wird die Wasserhärte in Gesamthärte, Nichtkarbonathärte und Karbonathärte (seltener auch Carbonhärte oder Karbonhärte) unterschieden. Die Gesamthärte beschreibt dabei alle im Wasser gelösten Erdalkalimetallsalze. Beispielsweise Kalk (Calciuumcarbonat, CaCO3) und Magnsiumkalk (Magnsesiumcarbonat, MgCO3), aber beispielsweise auch Gips (Calciumsulphat, CaSO4) oder Calciumchlorid CaCl2

Ein Teil der Gesamthärte lässt sich durch Kochen in Form von schwer wasserlöslichen Carbonaten („Kalkstein“) ausfällen. Die durch Kochen ausgefällten Erdalkali-Carbonate machen sich dann als Kalkablagerungen, auch Kesselstein genannt, bemerkbar, wie man sie in Gegenden mit hartem Trinkwasser aus Heißwassergeräten wie Kafeemaschinen oder Wasserkochern kennt. Diesen Teil der Wasserhärte bezeichnete man ursprünglich als temporäre Härte oder Karbonathärte. temporäre Härte oder Karbonathärte kann also auch als der Teil der Gesamthärt bezeichnet werden, wo den gelösten Härtebildnern, also vornehmlich Calcium und Magnesium, Hydrogencarbonat-Anionen gegenüber stehen.

Der nach dem Kochen im Wasser verbleibende Teil der Wasserhärte, der sich großteils aus Erdalkalimetall-sulfaten und -chloriden zusammensetzt, wird als permanente Härte oder Resthärte bezeichnet. Daraus ergibt sich, dass die Gesamthärte die Summe aus Karbonathärte (temporäre Härte) und Nichtkarbonathärte (permanente Härte) ist.

Allerdings entsprechen diese Definitionen nicht den in der Aquaristik angewendeten Begriffen und auch nicht dem, was mit entsprechenden Wassertests gemessen wird. Heute werden in der Aquaristik zwar weiterhin die traditionellen Begriffe Gesamthärte und Karbonathärte verwendet, allerdings mit ihrem abweichenden, modernen chemischen Hintergründ. Dadurch kommt es häufiger zu Verwirrungen und widersprüchlichen Aussagen. Zwar geht es immer noch um im Wasser gelöste Salze, jedoch werden diese unter Beachtung ihrer Eigenschaft, sich im Wasser im Form von Ionen zu lösen, behandelt. Salze lösen sich im nahezu salzfreien Regenwasser, mit Hilfe des aus der Luft aufgenommenen CO2, nach dem Versickern aus dem Boden. Die Zusammensetzung der im Wasser gelösten Salze ist also geogen bedingt, das heißt von der Zusammensetzung der Gesteine und Bäden abhängig, durch die das versickerte Regenwasser fließt. Da man aber nach dem Lösen der Salze im Wasser nicht mehr feststellen kann, aus welchen Verbindungen die Ionen stammen, ist die ursprüngliche Defintion des Begriffs der Wasserhärte für chemische Nachweismethoden unbrauchbar.

Im Anschluss finden sich deshalb zwei separate Artikel, welche auf die Wasserparameter Gesamthärte und Karbonathärte und ihre Bedeutung im Süßwasseraquarium genauer eingehen.

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Referenzen, weiterführende Literatur und externe Links

  1. Horst, K. & Kipper, H. (1970). Das perfekte Aquarium.
  2. Frey, H. (1975). Das Aquarium von A bis Z. (13. Auflage)
  3. Krause, H.-J. (1990). Handbuch Aquarienwasser. ISBN: 3927997005
  4. Riehl, r. & Baensch H. A. (1996). Aquarienatlas Band 1. ISBN 9783882442274

weiterführende Literatur:

  • Geisler, R.: Wasserkunde für die aquaristische Praxis. Alfred Kernen Verlag, Stuttgart.
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  • Hohl, D. (1994). Aquarienchemie. Urania Verlag, Leipzig. ISBN 3-332-00471-9
  • Hückstedt, G.: Aquarienchemie. Frank'sche Verlagshandlung, Stuttgart.
  • Kassebeer, G. (1986): Ein Analytikkurs für Aquarianer von Dr. Gerd Kassebeer. I. Die Härte des Aquarienwassers. Aquarium Heute IV. (1): 36-38
  • Horst, K. & Kipper, H. (1981): Das perfekte Aquarium. 4. Auflage, Tetra Verlag, Melle. ISBN 978-3-88244-177-2
  • Wachtel, H. (1963). Aquarienhygiene. Frank'sche Verlagshandlung, Stuttgart.