Karbonathärte senken
Neben dem Verschneiden mit vollentsalztem ("destilliertem") Wasser, Osmosewasser oder Regenwasser von guter Qualität zum Senken des Gesamtsalzgehalts besteht auch die Möglichkeit, die Karbonathärte direkt zu senken.
Dazu verwendet man Mineralsäuren, aus Sicherheitsgründen meist in verdünnter Form.
Dies sind Salzsäure, Schwefelsäure, Phosphorsäure und Salpetersäure.
Einfache organische Säuren, wie Essigsäure oder Zitronensäure, sind dafür ungeeignet.
Sie sind immernoch recht energiereiche Verrbindungen, welche von Bakterien leicht verstoffwechselt und somit abgebaut werden.
Makromolekulare organische Säuren, wie Fulvosäuren, sind zwar einerseits schwer abbaubar, andererseits aber auch nur gerade stark genug, um die Kohlensäure aus ihren Salzen zu verdrängen.
Für die praktisch sinnvolle Anwendung ist die Differenz (Fulvosäuren pks 4-5, Kohlensäure pks 6,4) daher zu gering.
Huminstoffe wie Huminsäuren, Fulvosäuren oder aber Tannine (Gerbsären) enhaltende Pflanzenteile (Erlenzapfen, Rinde und Trockenlaub von Buchengewächsen, besonders Eichen) oder Lösungen aus diesen (Erlenzapfenextrakt, Eichenrindenextrakt) können aber zum Ansäuern schwachgepufferter Wässer genutzt werden.
Auch die im Handel erhältlichen Präparate zur pH-Wert und KH Senkung (pH/KH-Minus, Eichenextrakt) basieren auf Mineralsäuren.
Schwefelsäure und Salzsäure sind ob ihrer im Aquarium unbeedenklichen Säurereste Chlorid beziehungsweise Sulphat bevorzugt einzusetzen.
Produkte auf Basis von Phosphorsäure sind zu vermeiden, da diese zu einem Anstieg des Phosphatwertes führen und unerwünschter Algenwuchs eine mögliche Folge ist.
Die Veränderung des Wassers muss in jedem Falle außerhalb des Aquariums stattfinden. Zum einen entsteht bei der Reaktion der Säure mit der Karbonathärte im Wasser viel CO2, pro Grad dKH etwa 16 mg/l CO2, zum anderen sind die einhergehenden plötzlichen Schwankungen in der Wasserchemie nicht förderlich für die Gesundheit der Bewohner.
Man gibt solange Säure zu und rührt um, bis die Karbonathärte auf die gewünschte Höhe reduziert worden ist.
Danach sollte man das behandelte Wasser abstehen lassen oder mittels Membranpumpe und Sprudelstein belüften, damit überschüssiges CO2 ausgetrieben wird.
Phosphorsäure senkt sowohl Karbonathärte als auch Gesamthärte. Sie ist in einigen Produkten enthalten, die zur pH-Wert beziehungsweise Karbonathärtesenkung, mit dem Hinweis auf die Erzeugung von tropischem Wassers, angeboten.
Die Protonen reagieren wie bei anderen Säuren mit dem Carbonat und Hydrogencarbonat, welches den Großteil der Karbonathärte ausmacht.
Der Phosphat-Rest fällt teilweise mit Calcium (beziehungsweise Magnesium) als kaum Wasserlösliches Calciumphosphat (Magnesiumphosphat)aus.0,15 Gramm Phosphorsäure (H3PO4) pro Liter senken die Gesamthärte um etwa 1°d, die Leitfähigkeit erhöht sich dabei aber um 300µS/cm.
Zudem wird auch die Phosphatkonzentration im Wasser deutlich an. Für die aquaristische Praxis ist dieses Verfahren also ungeeignet.
Karbonathärte erhöhen
Um die Karbonathärte zu erhöhen eignet sich einfaches Speisenatron (Natriumhydrogencarbonat, doppeltkohlensaures Natron, Natriumbicarbonat, NaHCO3) sehr gut.
Die Zugabe von 3 Gramm Speisenatron auf 100 Liter Wasser erhöht die „
Karbonathärte“ dabei um 1°d.
Es ist empfehlenswert, die benötigte Menge Speisenatron zuvor in Wasser aufzulösen und diese Lösung langsam ins Aquarium oder Wechselwasser zu geben.
Eine andere Art der Anwendung von Natron ist die gesättigte Lösung.
Diese stellt man durch Zugabe von 100 Gramm (zwei Tütchen à 50g) NaHCO3 auf einen Liter Wasser her.
Dazu wird erst das Natron in den Behälter (skalierter Messbecher) gegeben und dann bis zum 1l-Strich mit destilliertem Wasser aufgefüllt.
Es bleibt ein wenig Speisenatron als weißer Bodensatz zurück, welcher sich nicht löst.
100 ml dieser Lösung enthalten etwa 0,1143 Mol Natriumhydrogencarbonat oder 300,8°dKH.
1 ml der Lösung erhöht die „
Karbonathärte“ in einem Liter Wasser also um gut 3 °d.
Mit 100 ml der Lösung erhöht man somit äquivalent die „
Karbonathärte“ in 100 Liter Wasser um 3 ° dKH, mit 30 ml um 1° dKH
- M NaHCO3 = 84 g/mol
- Löslichkeit = 96 g/l @ 20°C
- 96g NaHCO3 = 1,143 Mol = 1143 mmol
- 0,38 mmol HCO3- = 1°dKH
- 1143 / 0,38 = 3008° dKH
Diese Lösung kann auch als kostengünstige Kalibrierlösung für die pH-Elektrode verwendet werden.
Eine alternative Möglichkeit bietet die Verwendung von Natriumcarbonat Na2CO3. Dieses Salz der Kohlensäure ist beispielsweise als „
Waschsoda“ im Supermarkt erhältlich.
Hier kann man wiederum entweder die benötigte Menge in etwas Wasser auflösen oder aber eine gesättigte Lösung verwenden.
Auch hier empfielt es sich, die benötigte Menge in Wasser zu lösen und über einen längeren Zeitraum langsam dem Aquarienwasser zugzugeben oder aber auf das Wecheslwasser zu verteilen.220 Gramm Natriumcarbonat auf einen Liter vollentsalztes Wasser ergeben eine gesättigte (2,05 mol/l = 2050 mmol/l) Lösung.
Dies entspricht fast 5395°dKH (2050 : 0,38 = 5394,75). Ein Milliliter der Lösung erhöht die Karbonathärte in einem Liter Wasser also um knapp 5,5°dKH.
Um in 100 Litern Wasser die Karbonathärte um gut 10°dKH anzuheben, werden also 180 ml der gesättigten Lösung zugegeben.
Das kann bedingt durch die gute Löslichkeit von Natriumcarbonat in einem kleineren, handlichen Volumen erfolgen.
Mit einem Liter dieser Sodalösung kann man also gut einen Kubikmeter Wasser um 5,5°kH „
aufhärten“. Ein 500g Paket Waschsoda kostet im Supermarkt um einen Euro.
Soda ist besonders gut für Aquarien geeignet, in denen ein alkalischer pH-Wert oherhalb pH 8 erwünscht ist, beispielsweise bei einem Aquarium mit Tanganjikasee-Cichliden.
In beiden Fällen kommt es zu einer geringfügigen Absenkung der Gesamthärte durch Ausfällung von Härtebildnern, insbesondere Calcium, in Form schwer löslicher Carbonate:
- Ca2+ + 2 HCO3- ⇒ CaCO3 + H2O + CO2
Im Aquarium erfolgt jedoch wieder eine allmähliche Rücklösung.
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