Die „Karbonathärte“ und die Kohlensäure (∝ CO2) Konzentration sind folglich die bestimmenden Komponenten, welche den pH-Wert des Aquarienwassers beeinflussen.
Da Kohlensäure eine sehr schwache Säure ist und auch nur ein winziger Teil des im Wasser gelösten Kohlendioxid zu Kohlensäure reagiert, muss man umso mehr CO2 im Wasser lösen, desto höher die Carbonathärte ist, um den pH-Wert auf einen bestimmten Wert einzustellen.
Die änderung des pH-Wertes ansich ist dabei aber unabhängig von der Höhe der „Karbonathärte“. In einem Wasser mit KH 12°d sinkt der pH-Wert bei Erhöhung des CO2 Gehaltes um 15mg/l genauso um 0,3 Einheiten, wie bei einem Wasser, in dem die „Karbonathärte“ mit 3°d nur ein Viertel so hoch ist.
Kurz und knapp ausgedrückt: Wenn's sauer werden soll, muß die KH weg. Andersherum, wenn es darum geht, den pH-Wert zu erhöhen, kann dies entweder durch Anheben der Karbonathärte oder aber durch Senken des CO2-Gehaltes geschehen.
Dabei gilt grundsätzlich:
- bei gleichbleibendem CO2 Gehalt im Wasser sinkt bei Halbierung der Karbonathärte der pH-Wert um 0,3.
- bei Verdoppelung der Karbonathärte und gleichbleibendem CO2 Gehalt im Wasser steigt der pH-Wert um 0,3 Einheiten.
- bei gleicher Karbonathärte muss zur Absenkung des pH-Wertes um 0,3 die CO2-Konzentration im Wasser verdoppelt werden
- bei gleicher Karbonathärte muss zur Anhebung des pH-Wertes um 0,3 die CO2-Konzentration im Wasser halbiert werden
Senkt man beispielsweise die Karbonathärte von 6°d bei einem pH-Wert von 7,5 um die Hälfte auf 3°d, so sinkt, bei gleichbleibendem CO2 Gehalt im Wasser, der pH-Wert auf 7,2.
Andersherum steigt der pH-Wert in diesem Wasser bei der Verdoppelung der Karbonathärte auf 12° dKH auf pH 7,8.
Daher kombiniert man im günstigsten Fall beide Methoden. Eine Verringerung des CO2 Gehaltes kann man sehr leicht durch kontinuierliche Belüftung mittels Membranpumpe und Sprudelstein oder aber einer an den Filterrücklauf angeschlossenen Venturi-Düse (Diffusor) erzielen.
Ein Anheben des pH-Wertes durch Erhöhung der „Karbonathärte“ erreicht man sehr leicht durch die Zugabe von Speisenatron (Natriumhydrogencarbonat, Natriumbicarbonat, doppeltkohlensaures Natron, NaHCO3) oder Soda (Natriumcarbonat, Na2CO3, einfachkohlensaures Natron).
Dies ist beispielsweise als „Kaiser Natron“ oder „Bullrich Salz“ (Natriumhydrogencarbonat) beziehungsweise Waschsoda (Natriumcarbonat)im Supermarkt erhältlich.
Prinzipiell ist auch Pottasche (Kaliumcarbonat K2CO3) zum Anheben der „Karbonathärte“ geeignet.
Neben diesen Alkalimetall-Salzen der Kohlensäure sind prinzipiell auch Erdalkalimetall-Salze der Kohlensäure zum Anheben der „Karbonathärte“ geeignet.
Allerdings erhöhen diese Salze, wie Calciumcarbonat CaCO3 oder Magnesiumcarbonat MgCO3 (Kalkstein, Muschelschalen, Korallensand) auch die Gesamthärte und sind nur schwer wasserlöslich.
Dies macht sie für die Praxis ungeeignet. Natürlich lassen sich ebenso KH/pH-Plus Produkte aus dem Zoohandel zum Senken des pH-Wertes via Senkung der Karbonatärte verwenden.
Näheres zum Beeinflussen der Karbonathärte im Artikel Karbonathärte verändern.
Verschneiden mit entsalztem Wasser
Die Absenkung des pH-Wertes kann man, wie im Kapitel Wasserhärte bereits behandelt, erreichen, indem man durch Verschneiden mit salzfreiem oder -ärmerem Wasser (teil- und vollentsalztes Wasser, Umkehrosmosepermeat, weiches Quellwasser oder Regenwasser), um die Salzfracht im Wasser insgesamt zu reduzieren.
Beim Verschneiden findet praktisch eine Verdünnung eines wässrigen Gemisches statt
Einen Mittelweg gegenüber Vollentsalzung und Umkehrosmose bietet die Teilentsalzung mit einem schwachsauren Kationentauscher an. Hierbei wird das aufzubereitende Wasser durch einen Behälter mit schwach-saurem Kationentauscherharz geleitet.
Dabei wird die Karbonathärte im eigentlichen Sinne, also der Teil der Gesamthärte, wo den härtebildenden Erdalkalimetall-Ionen (Calcium, Magnesium) Carbonat- und Hydrogencarbonat-Ionen gegenüberstehen, entfernt
Die Teilentsalzung mit schwach-saurem Kationentauscher ist besonders für Wässer geeignet, bei denen die Karbonathärte einen großen Anteil der Gesamthärte ausmacht.
Also für solche Wässer, deren Ionenfracht beispielsweise stark von Calciumcarbonat aus Kalkstein dominiert sind.
Ein Wasser mit einer GH von 20°d und einer KH von 18°d hat nach Durchlaufen des schwachsauren Kationentauschers oder Teilentsalzers eine Gesamthärte von 2°d und eine Karbonathärte von 0°d.
Umgekehrt kann eine Anhebung des pH-Wertes durch Verschneiden mit härterem Wasser bezeihungsweise Wasser mit einer höheren Karbonathärte (KH) / Säurebindevermögen bei pH 4,3 (SBV) erfolgen.
In beiden Fällen findet die Veränderung des pH-Wertes nur indirekt über Veränderung der Karbonathärte (KH) beziehungsweise des Säurebindevermögens bis pH 4,3 (SBV) statt.
Torffilterung
Hochmoortorf ist ein schwach-saurer Kationentauscher.
Die als Ionentauscher aktive Komponete dabei ist die Polygalacturonsäure. Sie ermöglicht es den Torfmoosen der Gattung Sphagnum durch Ionentausch auch aus den, nur durch Regen gespeisten und somit extrem nährstoffarmen, Hochmooren Nährstoffe aufzunehmen.
Im Tausch gegen, beispielsweise, Ca2+, K+, Na+ und Mg2+-Ionen werden äquivalent, also der Ladung entsprechend, Protonen (H+, Wasserstoffionen) an das Wasser abgegeben.
Die Torfmoose schaffen so ein sehr saures Milleau, in dem sie, im Gegensatz zu vielen konkurrierenden Arten, überlebenen können.
Diese Eigenschaft des Torfmooses macht man sich in der Wasseraufbereitung zunutze.
Die freigegebene Wasserstoffionen reagieren mit Carbonat und Hydrogencarbonat-ionen, also der „Karbonathärte“, die dadurch gesenkt wird.
Die Gesamthärte kann maximal um den Anteil der Karbonathärte (im eigentlichen Sinne) gesenkt werden.
Je nach Qualität hat ein Liter Torf eine Kapazität um 250 Härteliter, wobei Schwankungen zwischen 200 und 300 Härteliter normal sind.
Mit einem Liter Torf kann man also die Gesamthärte von 200 bis 300 Liter Wasser um 1°d senken.
äquivalent dazu gilt , dass man ebenso die Härte von 20 bis 30 Liter Wasser um 10° d senken kann.
Torfwasser wirkt nicht nur durch seinen niedrigen pH-Wert, sondern auch durch die enthaltene Fulvosäure sowie Tanninen bakteriozid, also bakterientötend.
Ausgeschwemmte, aber unlösliche Huminstoffe wirken desweiteren als Puffer im Mulm.
Geisler (1964) schreibt hierzu:
„
Durch Filtern über Torf oder durch Humusextrakte bringen wir Huminstoffe und Huminsäuren in das Aquarienwasser, allgemeiner gesagt: organische Säuren; ein sehr bewährtes und erfolgreiches Verfahren zur Wasseraufbereitung in der Süßwasser-Aquaristik.
In derart behandeltem Wasser wird also der pH-Wert nicht nur von der Kohlensäure, sondern auch in einem entscheidenden Anteil von den Huminsäuren beeinflußt.
“
[Geisler (1964), S. 20 f.]
Auch bereits sehr weiches Regenwasser wurde und wird so aufbereitet, damit es trotz fehlendem Carbonatpuffers einen stabilen pH-Wert im sauren Bereich, um etwa pH 5, erhält.
Ein effektiver Weg, um größere Wassermengen innerhalb eins kurzen Zeitraums mit Torf aufzubereiten ist die Torfkanone. Dabei handelt es sich im Grunde um langes Rohr mit Siebeinsatz und Bohrungen am Ende, welches mit Torf gefüllt wird.
Das in das senkrecht stehende Rohr von oben eingefüllte, aufzubereitende Wasser durchläuft eine lange Strecke durch den Torf und wird so aufbereitet. Das aufbereite Wasser fließt am unteren Ende wieder heraus und kann aufgefangen werden.
Für einen solch großen Bedarf an Torf sind die üblichen Kleinpackungen im Zoohandel ungeeignet beziehungsweise würden immense Kosten bedeuten und diese Methode unwirtschaftlich machen.
Für solche Zwecke eignet sich ungedüngter Torf, beispielsweise Floragard Torfboy.
Entcarbonisieren mit Mineralsäuren
Will man lediglich die Karbonathärte reduzieren oder entfernen, eignet sich hierzu besonders die Entcarbonisierung mit Mineralsäuren wie Salzsäure, Schwefelsäure, Phosphorsäure und Salpetersäure.
Auch wenn Krause (1990) diese Methode als „aquaristischen Kunstfehler“ ansieht, ist sie doch pragmatisch betrachtet eine effektive Methode ohne Nebenwirkungen.
Am geeignesten hierfür ist (verdünnte) Salzsäure bekannter Konzentration. Die bekannte Konzentration ist auch der Grund, aus dem diese den undeklarierten pH-Minus Produkten im Handel vorzuziehen ist.
Sie erlaubt es, den Bedarf an Säure zum Erreichen des gewünschten Ergebnisses vorab zu berechnen, statt durch Versuch und Irrtum durch schrittweise Annäherung (sukzessive Approximation).
pH-Wert Einstellung mit CO2-Zuleitung
Im Gleichgewicht mit der Luft beträgt die CO2-Konzentration im Wasser etwa 0,5 mg/l. Durch von Atmungsprozessen der Organismen im Aquarium produziertes CO2 steigt diese etwa an. Konzentrationen bis 5 mg/l sind nach eigenen Messungen üblich.
Sie ist sber grundsätzlich abhängig von der genauen Lage des Fließgleichgewichts zwischen Produktion (aerobe Atmungsprozesse), Verbrauch (Photosynthese der Pflanzen) und Verlust (Ausgansen an der Wasseroerfläche in die Luft).
Diese ist in jedem Aquarium unterschiedlich und hängt unmittelbar von verschiedenen Rahmenbedingungen wie Besatzdichte, Beleuchtungsstärke, Oberflächenbewegung und so wieter ab.
Da CO2 bei aeroben Atmungsprozessen abgegeben wird, hat die Konzentration im umgebenden Medium einen unmittelbaren Einfluss auf die Fähigkeit von aerob atmenden Organismen, beispielsweise den Fischen.
Je höher die CO2-Konzentration im Wasser ist, desto schwieriger wird es für den Fisch, sein eigenes CO2 abzuatmen. Dabei besteht eine Wechselbeziehung mit der O2-Konzentration.
Je mehr Sauerstoff im Wasser gelöst ist, desto besser werden auch hohe CO2-Konzentrationen erstragen. Wie hoch darf aber die O2-Konzentration im Aquarium sein, ohne langfristig schädlich für die Fische zu wirken?
Welche Auswikungen hat ein hoher CO2-Gehalt im Wasser auf den Fischorganismus?
Es gibt keine allgemeingültige Aussage. Insbesondere, weil die Schädlichkeit von CO2 auch von anderen Umweltfakten abhängig ist. Neben der O2-Konzentration ist dies insbesondere die artspezifische Toleranz. Es kommt also auch auf die Fischart an.
Weitere Faktoren sind die Wasserhärte, aber auch die Ernährung [4][5].
Wissenschaftliche Untersuchungen und damit belastbare Daten, dazu gibt es praktisch nur für Fischarten, welche für die Aquakultur von Bedeutung sind. Untersuchungen bei Aquarienfischen hatten bisher nur die akute Toxizität mit entsprechend hohen Konzentrationen von mehreren 100 mg/l zum Thema.
Ist der Fisch, bedingt duch CO2-Konzentrationen im Wasser, nicht mehr fähig, ausreichend CO2 abzuatmen, bewirkt die gestiegene CO2-Konzentration im Blut eine respiratorische Azidose im Fisch.
Der pH-Wert im Blut, welcher ebenfalls über das Kohlensäure-Hydrogencarbonat-Carbonat-Puffersystem geregelt wird, fällt in den sauren Bereich.
Der Grenzwert wird in verschiedenen aquaristischen Quellen unterschiedlich gesetzt. So gibt Krause 60 mg/l als Obergrenze an [2a].
Durch Diskussionen in der Newsgrupp de.rec.tiere.aquaristik hat sich ein verbreiteter Konsens einer Obergrenze von 20 mg/l eingebürgert. Belastbar ist dieser Wert aber mangels Basisdaten nicht.
Der eigentliche Beweggrund für die Zuführung von CO2 ins Aquarienwasser sollte daher immer die Düngung der Pflanzen sein. Die Absenkung des pH-Wertes ist dabei eher ein willkommener Nebeneffekt.
Daraus ergibt sich auch, das potentiell kritische Konzentrationen schon allein nicht wirtschaftlich sind.
Kommentare
blog comments powered by Disqus