Regelmäßig taucht in Gesprächen unter Aquarianern über die Veränderung der Wasserparameter die Frage auf, wie dies „ ohne Chemie“ zu bewerkstelligen sei. Die pauschale Ablehnung des Einsatzes von „ Chemie“, welche dabei mitschwingt, meist sind damit chemische Zusätze gemeint, basiert meistens auf einem Unverständnis der für die Aquaristik relevanten chemischen Vorgänge, Zusammenhäge und Beziehungen. Oft ist mit „ ohn Chemie“ nämlich gemeint, dass man sich nicht mit den chemischen Prozessen und Zusammenhängen im Aquarium auseinandersetzen möchte. Die generelle Ablehnung von „ Chemie“ im Aquarium ist also auf Nichtverstehen ihrer Eigenschaften und Wirkungsweisen zurückzuführen. Was nicht verstanden wird, kann auch nicht kontrolliert werden. Einsatz von Chemikalien ohne Verständnis für ihre Wirkungsweise führt nicht selten zu unerwünschten Ergebnissen. Dies wird dann der „ bösen Chemie“ angelastet.
Die gleiche Grundproblematik besteht bei der großen Thematik Fische und richtige Wasserwerte. Der Handel bietet eine ganze Reihe von Reagenziensets für die Überprüfung der verschiedensten chemischen Parameter an. Zwar ist die Kontrolle der Wassergüte im Grunde zu begrüßen, ist sie doch Ausrucksweise dafür, dass sich der Halter Gedanken um das Wohlergehen seiner Pfleglinge macht. Jedoch ist die Kontrolle der einzelnen Parameter ohne die notwendigen Kenntnisse für deren objektive Bewertung vergebene Liebesmüh. Viel zu oft wird in blinden Aktionismus verfallen, nur weil die eigenen Messergebnisse nicht mit willkürlichen Sollwerten einer beliebigen Quelle übereinstimmen. Neben dem rein chemischen Teilbereich kommt hierbei auch noch die große Thematik der Fisch-, Pflanzen- oder Wirbellosenhphysiologie zum tragen.
Welche Wertebereiche einzelner Parameter sind denn nun gut oder schlecht für die jeweiligen Fische, Pflanzen, Schnecken, Garnelen oder Krebse? Wie hart muss oder darf das Wasser sein, wie hoch sollte der pH-Wert sein? Fragen, die nur im einzelnen Fall, jede Art für sich, beantwortet werden können. Die Komplexität durch die Kontinuum-Natur des Sachverhalts und die Eigenschaften eines n-Dimensionalen Raumes durch unzähliche biotische und abiotische Faktoren machen es unmöglich, exakte Aussagen über Grenzwerte zu machen. Gerade diese Komplexität macht es aber für die Praxis meist recht simpel. In den allermeisten Fällen sind die chemischen Wasserparameter Faktoren, um den man sich bei regelmäßiger Wasserpflege durch Teilwasserwechsel eher wenig sorgen muss. Andere Faktoren sind für das Wohlergehen der Aquarienbewohner weitaus bedeutender als die scheinbar so handfesten und griffigen Zahlenwerte der chemischen Wasserparameter. Dazu zählt insbesondere die Temperatur als physikalischer Parameter sowie die verschiedensten biotischen Faktoren. Hierzu zählen die Qualität der Nahrung, sozialer Streß, oder zwischenartlicher Streß bei der Vergesellschaftung. Aber auch abiotische Faktoren wie die artspezifisch verhaltensgerechte Gestaltung des Aquariums sind bedeutend.






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