Dieser Bereich widmet sich den chemischen und physikalischen Parametern von Aquarienwasser, ihren Wechselwirkungen mit biologischen Prozessen im Aquarium, sowie der Kontrolle und Manipulation dieser Parameter.
Zu den chemischen Wasserparametern zählen insbesondere die Konzentration der verschiedenen Salze und ihrer Ionen. Dabei ist allen voran die Gesamt-, und Karbonathärte zu nennen. Desweiteren sind auch die Konzentrationen verschiedener Gase, wie Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid, von immenser Bedeutung für das Leben im Aquarium. Außerdem spielen verschiedene Stoffwechsel-, und Mineralisationsprodukte, wie Nitrate und andere Stickstoffmetabolite, sowie komplexe organische Verbindungen, beispilsweise Tannine, Humin-, und Fulvosäuren, eine wichtige Rolle im Aquarium.
Bei den physikalischen Parametern des Aquarienwassers ist zu allererst die Temperatur zu nennen. Ein weiterer wichtiger physikalischer Parameter von Aquarienwasser ist die elektrische Leitfähigkeit oder Konduktivität. Sie wird allerdings vor allem als Mittel zur Einschätzung des chemischen Parameters Gesamtsaltgehalt im Wasser herangezogen.
Alle chemischen und physikalischen Parameter des Wassers sind (abiotische) Umweltfaktoren für alle Lebewesen im Aquarium. Egal ob Fisch, Garnele, Krebs, Alge, Aquarienpflanze, Parasit oder Bakterium. Alle sind Teil der Biozönose, der Lebewesen-Gemeinschaft, des Aquariums und bilden zusammen mit den abiotischen Umweltfaktoren das ökosystem darin. Abhängig von den jeweiligen Bedürfnissen der einzelnen Art, müssen sich die Werte der einzelnen Umweltfaktoren in bestimmten Grenzen bewegen, unter denen die Organismen ihre Soffwechselprozesse aufrecht erhalten können.
Soll die erfolgreiche und dauerhaft möglichst problemlose Pflege eines Aquariums und seiner Bewohner nicht dem Zufall überlassen sein, sind Kenntnisse über die im Aquarium stattfindenden Prozesse sowie deren Bedeutung für seine Bewohner unabdingbar. Zumindest das Wissen rund um die Basisparameter, wie die Zusammenhänge des Stickstoffkreislaufs, die Bedeutung des pH-Werts sowie der Härte, beziehungsweise des Gesamtsalzgehaltes, sollten verinnerlicht werden. Ohne diese Grundkenntnisse sind viele häufige, im Grunde simple, Probleme der Aquarienpraxis kaum gezielt lösbar, oftmals könnten sie so bereits im Voraus vermieden werden.
Viel zu oft werden bei tatsächlichen oder eingebildeten Problemen im Aquarium Eingriffe in die Wasserzusammensetzung unternommen, ohne dass überhaupt die Tatsächlichkeit oder Ursache der Probleme sowie angemessene Vorgehensweise für deren Behebung bekannt ist. Obwohl es eine ganze Reihe verschiedener Testreagenzien, und Hersteller dieser, als auch elektronischer Nachweisgeräte, gibt, vom 5-in1-Multistick über ganze Testkoffer bis zu mehrere hundert Euro teuren elektronischen Messinstrumenten, benötigt man hiervon nur sehr wenig unbedingt in der Praxis. Grundsätzlich reicht es, sich die Trinkwasseranalyse des Versorgers zu beschaffen, um sich einen Überblick der Wasserzusammensetzung des Trinkwassers zu verschaffen. Bei regelmäßiger Pflege durch Teilwasserwechsel ändern sich die Basiswasserwerte im Aquarium gegenüber denen des Leitungswassers nur geringfügig.
Als wirklich sinnvoll sehe ich die Anschaffung eines Leitfähigkeitsmessgeräts (Conductometer), und eines pH-Meters, am besten mit austauschbarer Elektrode, sowie unter Umständen eines gut auflösenden Nitrit-Tropftest (JBL, Red Sea, Merck, Macherey & Nagel) an. Auf die jeweiligen Nachweisverfahren gehe ich bei den einzelnen Parametern ausführlicher ein.
Zwar sind die aquaristisch üblichen Meßverfahren im Vergleich zu modernen Laboranalysen relativ ungenau, jedoch reichen sie aus, um sich ein Bild der Abläufe im Aquarium zu verschaffen, und so die Möglichkeit zu erhalten, die Lebensbedingungen im Aquarium einzuschätzen. Es mag widersprüchlich klingen, aber im Endeffekt wird die Messerei und Tröpfelei mit steigender Erfahrung immer mehr vernachlässigbar. Letztendlich erkennt man Probleme schneller am Verhalten der Fische oder am Gesamteindruck des Aquariums, und es werden Schlauch und Eimer für den Wasserwechsel statt der Messutensilien herausgekramt.
Die Ausgangsbasis zur Beurteilung des Wassers im Aquarium ist, wie oben genannt, das Frischwasser, welches man für Erstbefüllung und Teilwasserwechsel verwendet. Dies ist in aller Regel das Trinkwasser aus der Leitung. Die Zusammensetzung des jeweiligen Leitungswassers kann man generell vom zuständigen Versorger erfahren. Viele Versorger haben bereits eine Internetpräsenz, auf der auch die Trinkwasseranalyse veröffentlicht wird. Unter suche.wasser.de findet sich eine Versorgersuchmaschine, mit der man die Internetpräsenz seines Versorgers, und die Trinkwasseranalyse oftmals schnell finden kann. Betreiber von Privatbrunnen zur Trinkwasserversorgung erhalten die Analyse ihres Trinkwassers durch die vorgeschriebene Überprüfung durch das Gesundheitsamt.
Dass es auch fast ohne oder auch ganz ohne chemische Kenntnisse möglich ist, große Erfolge in der Aquaristik zu erlangen, zeigen die altvorderen Aquaristikpioniere. Dennoch halte ich es für sinnvoll, sich über die Ursachen für Erfolge, und Misserfolge, nicht nur auf den Bezug des Wasserchemismus, Gedanken zu machen um Zusammenhänge zu erkennen und so Erfolge reproduzierbar, und unnötige Mißerfolge vermeidbar zu machen, damit erfolgreiche Aquaristik nicht auf der Stufe des Zufallsproduktes verbleibt.
Erfahrung ist nicht das reine Praktizieren und Erleben ansich. Erfahrung ist die korrekte Interpretation von gemachten Beobachtungen, mit denen wiederum zukünftige Beobachtungen besser interpretiert werden können. Erfahrung erfordert vielmehr, über sein Handel zu reflektieren, gemachte Beobachtungen mit gesichterten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu verlgeichen, um durch den sich so ergebenden Erkenntnisgewinn das Beobachtete zu verstehen. Auf diesem Wege kann man sein Vorgehen verfeinern, und unerwünschte Effekte eines falschen Handels weitestgehend ausschließen.
Jegliche Erfahrung bedarf eines Fundamentes von validem Wissen, auf dem sie aufbauen kann. Ohne dieses Fundament wird jede Interpretation von Beobachtungen zum blinden Herumstochern und Erfahrung mehr eine Frage des Glaubens als des Wissens und Verstehens. Dieses Wissen, in aufbereiterter und ergänzter Form, zur Verfügung zu stellen, will ich mich hier bemühen.






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